Vielfalt & Gesellschaft

Zusammenleben braucht Vielfalt

Soll ein leer stehendes Kleingartengrundstück verunkrauten oder einem geflüchteten Menschen aus Syrien zur Nutzung überlassen werden, sodass er sich hier bei uns besser einleben kann?  
Diese Frage wurde vor einiger Zeit in unserem Landkreis heiß diskutiert. Und natürlich konfrontiert uns das mit Herausforderungen: Wenn jemand Fremdes kommt und mitmachen möchte – muss ich dann nicht auch aktiv werden, sie oder ihn unterstützen? Sollte ich dann nicht auch über meine Gewohnheiten nachdenken, Neuem gegenüber offen sein und im besten Fall bei der Lösung von Problemen helfen?

Foto (c) Sandra Pengel

Wie sieht unser Zusammenleben der Zukunft aus?
Wir als Bündnis 90/Die Grünen finden die Beschäftigung mit diesen Fragen wichtig. Denn diese Kleingartenfrage ist nur ein Beispiel für viele andere Fragen zu unserem Zusammenleben in der Zukunft:

  • Ist Leerstand besser, als dass eine Person neben mir wohnt, die anders ist und die ich erst noch kennenlernen darf?
  • Ist ein leerer Ausbildungs – oder Arbeitsplatz besser, als dass da eine Person arbeitet, die zwar noch Unterstützung bei der Sprache und unserer Verwaltung braucht, aber hoch motiviert ist und anpackt?
  • Soll ein Chor oder eine Feuerwehr geschlossen werden, weil sich Homosexuelle oder Transgenderpersonen bei uns nicht willkommen fühlen? 
  • Wo blockieren wir Menschen mit Behinderungen, sich mit ihren speziellen Fähigkeiten vor Ort einzubringen, weil wir nicht darüber nachdenken und Barrieren sie von uns fern halten?

Diese Liste mit Fragen ließe sich fortsetzen … Natürlich bereitet es etwas Aufwand, sich mit „dem Anderen“ zu beschäftigen, ihm Spielraum zu geben und sich auch für Fremdes zu interessieren, um es als weniger fremd zu empfinden.

Zusammenleben und Zusammenhalten
Wir als Bündnis 90/Die Grünen sind der Meinung, dass dieses Interesse am Anderen uns allen gut tun würde – unserem Zusammenleben, unserem künftigen wirtschaftlichem Erfolg, der Attraktivität unserer Region, der Stärkung eines rücksichtsvollen Umgangs miteinander und eines guten Lebens vor Ort. Wir können alle davon profitieren, dass wir gut miteinander umgehen und uns unterstützen, wo immer es geht, egal woher jemand kommt und wie jemand zu sein scheint. Wir finden sogar, das ist entscheidend für eine gute Zukunft in unserem Land. Natürlich gibt es auch Konflikte und es bedeutet Arbeit – daher haben wir auch im Bundestagswahlprogramm genau für diesen Bereich eine stärkere Unterstützung geplant. Das Zusammenleben und der Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind uns nicht egal, sondern wir wollen in sie investieren.

Foto (c) Sandra Pengel

Neue Perspektiven erarbeiten
Davon würden dann auch, wie in unserem Fall, gefährdete Kleingartenkolonien profitieren können: Sie könnten mit unserer Unterstützung darauf zählen, genau diese Herausforderungen zu bewältigen und eine neue Perspektive zu erarbeiten, zum Beispiel durch Konzepte eines integrativen Kleingartens. Über das Gärtnern kommt man in Kontakt, Erfahrungen können ausgetauscht werden, gegenseitige Hilfe wird möglich. Und wenn man das richtig als Konzept umsetzt, erschließt man sich neue Interessierte und kann seinen Horizont erweitern.

Die Kleingartensparte gibt unterschiedlichen Menschen Raum und allen Gelegenheit, sich im Jahresverlauf miteinander auszutauschen. Durch das gemeinsame Arbeiten im Kleingarten kann man gut voneinander lernen – so kann Integration gelingen.
Dieses Anpacken für ein gutes Zusammenleben aller in Deutschland ist unser Ziel.


Aufräumen mit Vorurteilen als Basis für gutes Zusammenleben!

>>> FALSCH! <<<
Geflüchtete bekommen mehr Geld vom Staat als Hartz4-Empfänger
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Geflüchtete dürfen kein ALGII vom Jobcenter während des Asylverfahrens beziehen. Für sie gibt es geringere Leistungen nach AsylG vom Sozialamt. Nach dem Erwerb einer Aufenthaltserlaubnis dürfen sie dann ALGII beantragen und beziehen wie alle anderen Arbeitssuchenden. Alle Regeln (z.B. die Höhe der Leistungen) gelten für Geflüchtete genauso wie für Nicht-Geflüchtete.  Es gibt KEIN extra Geld für Geflüchtete,  weder einen bezahlten Urlaub noch Taschengeld. 

>>> FALSCH! <<<
Asylbewerber*innen wohnen umsonst in den Unterkünften
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Geflüchtete, die einen Aufenthaltstitel und somit eine Bleibeperspektive haben, dürfen sich einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen. Von ihrem Gehalt müssen sie, wenn sie weiterhin in den Unterkünften wohnen bleiben, Miete und Abgaben zahlen. Oft können sie auch dann, wenn sie längst arbeiten, nicht ausziehen, weil sie zum Beispiel keine Wohnung finden.

>>> FALSCH! <<<
Geflüchtete nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg
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Geflüchtete dürfen während des Asylverfahrens nicht arbeiten. Es gibt Ausnahmefälle, bei denen eine Arbeitserlaubnis von der Ausländerbehörde und mit Kooperation vom Sozialamt erteilt werden kann. Erst nach der Anerkennung   des Flüchtlingsstatus oder des subsidiären Schutzes, durch das BAMF dürfen die Geflüchteten dann je nach Entscheidung der Ausländerbehörde  erwerbstätig sein.

>>> FALSCH! <<<
Ausländer bedrohen unsere deutsche Kultur

„DIE deutsche Kultur“ gibt es nicht, sondern viele verschiedene Kulturen in Deutschland – die kulturelle Vielfalt macht unser Land aus. Brandenburg ist nicht Ostfriesland und nicht Schwaben. Wenn es nun noch etwas vielfältiger wird nimmt das niemandem seine Besonderheit. Es fügt dem Bild nur mehr Farben hinzu. –   Im Idealfall können wir uns ergänzen und unser Land profitiert dann davon.


Geschrieben von:
Gerd Kaufmann aus Luckau
(Mitglied im Kreisvorstand Bündnis 90 / Die Grünen Dahme- Spreewald
)

Sandra Pengel aus Lübben
(Kreisvorsitzende Bündnis 90 / Die Grünen Dahme-Spreewald)

Mit freundlicher Unterstützung von:
Nabil Abo Nasser aus Cottbus
(Vorsitzender Geflüchteten Netzwerk e.V. Cottbus, MItglied im Migrationsbeirat der Stadt Cottbus
)