Kreislaufwirt­schaft

Ressourcen schonen – echte Kreislaufwirtschaft entwickeln!

Ein Interview mit Gerhard Kalinka
Werkstoffwissenschaftler für Kunststoffe
Bündnisgrüner Direktkandidat im Wahlkreis 62

Wie würdest du einer Fünfjährigen die Kreislaufwirtschaft erklären?
Damit ein Baum wachsen kann, braucht er Nahrung aus der Erde und der Luft. Nach seiner Lebenszeit zerfällt der Baum wieder zu Erde, und diese Erde ist wieder Nahrung für andere, neue Bäume. In diesem Kreislauf der Natur bleibt kein Müll übrig. Alles wird wiederverwendet. 
Wir Menschen produzieren sehr viele Dinge: Häuser, Autos, Straßen, Spielsachen. Wenn das Haus eines Tages alt ist, das Auto nicht mehr läuft und die Spielsachen nicht mehr gebraucht werden, dann kommen sie in den Müll. Der Müll wird immer mehr. Besser ist, wenn wir es so machen wie die Natur. Wenn etwas alt ist, und nicht mehr repariert werden kann, dann muss daraus wieder etwas Neues gemacht werden, ohne dass Müll übrigbleibt.
 

In welchen Bereichen kann man eine echte Kreislaufwirtschaft umsetzen?
Im Grunde müssen alle produzierenden Bereiche dazu beitragen, dass wir nicht im Müll ersticken oder die endlichen Rohstoffe zur Neige gehen. Es gibt auch bereits funktionierende Kreisläufe, etwa in der Landwirtschaft, bei Papier und Pappe oder bei der Metallgewinnung. Andere hinken hinterher, wie die Kunststoffindustrie. Wir sammeln zwar fleißig Kunststoffe in den gelben Säcken, doch der Kunststoffmüll wird überwiegend exportiert oder verbrannt.

Wieso klappt das bei einigen Rohstoffen, bei Kunststoff aber nicht?
Das Metall-Recycling ist erfolgreich, weil es billiger ist, Metallschrott aufzuarbeiten, als das Metall aus Erz neu zu gewinnen. Bei Papier und Pappe ist das ähnlich. Bei Kunststoffen jedoch ist es billiger, diese aus Erdöl neu herzustellen, als sie aus Kunststoffmüll zu recyceln. Man kann Kunststoffmüll zwar sammeln, reinigen, nach Typen sortieren und dann wieder zu neuen Produkten formen, aber dabei werden die Eigenschaften deutlich schlechter. Es gibt Verfahren, die den Kunststoffmüll wieder in seine chemischen Bestandteile zerlegen. Daraus lassen sich dann neuwertige Produkte herstellen. Das kostet allerdings Einiges.

Siehst du Möglichkeiten, wie man das verbessern kann?
Mein Ziel ist die Entwicklung einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft. Nach dem Lieferkettengesetz müssen alle, die ein Produkt herstellen, die Herkunft der Rohstoffe und Vorprodukte nachweisen. Das Gesetz hat noch Lücken; es müsste zum Beispiel verbindliche Recyclingquoten enthalten. Für die Reparaturfreundlichkeit und das Recycling müssten die herstellenden Firmen des Produkts verantwortlich sein. Überhaupt muss der Preis jedes Produkts nicht nur Herstellungs-, sondern auch  Recyclingkosten beinhalten.  



Wie kann denn die Zukunft von Kunststoff aussehen?  
Von Beruf bin ich Werkstoffwissenschaftler für Kunststoffe. Diese Materialien tragen zur Verbesserung des globalen Lebensstandards bei, weil sie leicht, hygienisch, sehr flexibel in ihren Eigenschaften, haltbar und sehr billig herzustellen sind. Aber die Entsorgung ist weitgehend ungelöst. Ich will, dass Plastik weltweit vollständig eingesammelt wird, zum Beispiel mit einem globalen Plastikpfand für alle Plastikprodukte. Über Lieferketten- und Kreislaufgesetze muss dann der Einsatz von recycelten Stoffen in der Produktion stufenweise auf 100 Prozent erhöht werden.


Das Interview führte:
Susanna Sandvoss aus Drahnsdorf
Kreisgeschäftsführerin Bündnis 90 / Die Grünen Dahme Spreewald