Breitbandausbau

Wie fehlender Mut die Wirtschaft ausbremst

An unserem Standort in Ortslage und unmittelbarer Nähe zu einer Bundesstraße können wir einen ADSL-Anschluss mit einer Bandbreite von 16 Mbit/s nutzen. Da dieser regelmäßig unter der Last von ein- und ausgehenden E-Mails und der gleichzeitigen Nutzung cloudbasierter Unternehmensanwendungen zusammenbrach, ergänzten wir einen LTE-Mobilfunkzugang mit einer Bandbreite von bis zu 150 Mbit.

Die tatsächlichen Datenraten liegen im Mobilfunknetz jedoch weiterhin deutlich darunter – lange Reaktionszeiten und langsamer Seitenaufbau eingeschlossen. Ein Phänomen, das viele von uns spätestens seit dem Einzug ins „Homeoffice“ regelmäßig erfahren dürfen. Mit LTE ist es wie bei einem ausverkauften Konzert, wenn die Mehrheit auf ihren Plätzen bleibt, ist der Weg zur Bar schnell erledigt. Setzen sich zur Pause oder zum Ende jedoch alle gleichzeitig in Bewegung, stockt es ordentlich.

Im Juni 2020 untersuchte die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) den Glasfaseranteil an den Festnetzanschlüssen. Unter den 37 Mitgliedsstaaten belegte Deutschland mit einem Anteil von 4,7% Platz 33. Bis auf Belgien und Österreich weisen alle unsere Nachbarländer einen soliden zweistelligen Anteil aus. Der OECD-Durchschnitt beträgt 29,2%.  

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/415799/umfrage/anteil-von-glasfaseranschluessen-an-allen-breitbandanschluessen-in-oecd-staaten/, Rev.: 24.06.2021

Dass CDU und CSU kein Interesse an einer substantiellen Verbesserung haben, stellten die Union und die von ihr geführten zuständigen Fachministerien wiederholt unter Beweis:
Erst wurde wider besseres Wissen statt Glasfaser das auf Kupferkabelnetzen basierende VDSL mit Bandbreiten bis maximal 250 Mbit/s gefördert, damit auch etablierte Anbietende bereits durch einfachste Ertüchtigung ihrer Netze in den Genuss von  Fördermitteln kamen. Ein anderes Mal galt eine Region bereits als breitbandversorgt, wenn eine ausreichende Netzabdeckung mit LTE gegeben war. Es ist symptomatisch für die Politik der zurückliegenden Legislaturperioden, dass es den Anbietenden mit geringem Aufwand ermöglicht wurde, die viel zu niedrig gesteckten Ziele leicht zu erreichen und davon zu profitieren. 

Hoffnung auf neuen Schwung für den Breitbandausbau verbanden viele mit der anstehenden Neufassung des Telekommunikationsgesetzes — schließlich sollte erstmals eine gesetzlich garantierte Mindestbandbreite vorgegeben werden.
Doch am Ende wieder Enttäuschung, Meilenstein verpasst: Mit den Stimmen der Regierungskoalition aus Union und SPD wurde die Mindestbandbreite nicht wie gedacht als der Durchschnitt der 51% schnellsten Anschlüsse definiert, sondern als Durchschnitt der langsamsten 80%.

Was das ganz konkret für unseren Landkreis bedeutet, kann man im Breitbandatlas des Bundes nachlesen.
Stand April 2021 verfügten 97% aller Anschlüsse über eine Bandbreite von 16 Mbit/s und immerhin noch 90% über eine Bandbreite von 50 Mbit/s. Für unser Unternehmen und die meisten anderen Anschlussinhabenden wird sich trotz neuem Gesetz auf Dauer also nichts ändern.

Die Union will „mutig“ sein.
Langsame Internetanschlüsse senken die Produktivität, ermüden, führen zu Frustration und verhindern die weitere Digitalisierung. Diese Art von „Mut“ kostet unsere Unternehmen jeden Monat bares Geld.
Dass geringe Bandbreiten und überlastete Mobilfunknetze digitale Teilhabe in Bildung und im Beruf verhindern, hat uns die Corona-Pandemie deutlich aufgezeigt.

Danke für so viel Mut!

geschrieben von:

Torben Schmidt (Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens; Name geändert)